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Thursday, 4 September 2008

One word != one number

Earlier this year a study was conducted by researchers from the University of Melbourne and University College London - namely Brian Butterworth, Robert Reeve, Fiona Reynolds and Delyth Lloyd. Children of two indigenous communities were tested for their numeracy skills; one from Tanami Desert and the other from Groote Eylandt. Another group were indigenous preschool children from Melbourne. Here's a map of the locations:

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The results showed clearly that the children of indegenious communities - who have no words or even gestures for numbers - have numeracy skills equal to native English speaking children. So numeracy is not based on culture or language but probably an innate facility.


Publications:
  • Butterworth, B., Reeve, R. (Forthcoming). Verbal counting and spatial strategies in numerical tasks: Evidence from indigenous Australia. Philosophical Psychology
  • Butterworth, B., Reeve, R., Reynolds, F., Lloyd, D. (Forthcoming). Numerical thought with and without words: Evidence from indigenous Australian children. Proceedings of National Academy of Sciences of the USA

Tuesday, 15 July 2008

Language Diversity Made by God

At least that's written in Genesis 11: 1-9. First there was one language spoken by everyone which unified the people:
And the whole earth was of one language, and of one speech. [...] And the Lord said, Behold, the people is one, and they have all one language [...].
So they decided to build a tower and a city which were afterwards called Babel (hebr. bâlal - to overflow, mix, confound) because God came down from heavens to "[...] confound their language, that they may not understand one another's speech [...]" which scattered them across the earth so that the tower was never build. Henceforth there were many languages across the earth.

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Tuesday, 8 July 2008

Am I wrong about Pinker's extended locative?

Pinker writes in his book Language of Thought about the locative rule:
If a verb can appear in a content-locative construction then it can also appear in a container-locative construction, and vice versa. (Pinker 2007: 35-6)
as in:

(1) [to spray] water on the roses.
(2) [to spray] the roses with water. (Pinker 2007: 35)

In contrast to:

(3) to fill the glass with water.
(4) *to fill water into the glass. (Pinker 2007: 50)

According to this exception, he alters the locative rule:
[...] by specifying the change of a container, it is compatible with a construction that is about state-change, and thereby allows us to say [(3)]. But because it says nothing about a cause or manner of motion of the contents, it isn't compatible with a construction that is all about motion, and thereby doesn't allow us to say [(4)].
His conclusion at the end of the chapter:
This uncovered a number of basic features of our thought processes: [...] that a frame for thinking about a change of location in real space can be metaphorically extended to conceptualize a change of state as motion in state-space; and that when the mind conceives of an entity as being somwhere or going somewhere, it tends to melt it down to a holistic blob.
As far as I understand him, he ascribes this property to the mind.

So, the first thing that struck me was that (3) and (4) sound correct for non-native speakers and I assume it would sound correct to many native speakers as well - depending on the region they're from. Actually you can say both sentences in German - which is, by the way, closely related to English:

(3(DE)) Das Glas mit Wasser füllen.
(4(DE)) Wasser in das Glas füllen.

So this must be specific for English, right? Since he ascribes this to the mind, this must mean that it only works for the English mind which, and here comes the logic conclusion, is different from the German mind. Hence English speakers have another cognition, i.e. they perceive the reality in a different way and therefore (3) is possible, while (4) is not? This would be an argument for linguistic determinism. I know this is nonsense.


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Pinker, S. Language of Thought. 2007.

Tuesday, 24 June 2008

Sapir-Whorf Hypothese

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt schrieb Wittgenstein in seinem Tractatus (Wittgenstein 1921) und sagte damit, dass man nur soweit denken kann, wie einen seine Sprache trägt. Ist aber das Denken selbst durch die Sprache beeinflusst? Gibt es so etwas wie non-verbale Gedanken, i.e. Gedanken die ich nicht in meiner Sprache ausdrücken kann? Schon die beiden Kant Schüler Hamann und Herder haben über den Determinismus nachgedacht und Humboldt schrieb 1836, dass die Sprache das Organ des Denkens sei. (Humboldt 1836)

Gut 120 Jahre später beschäftigt sich ein Laienlinguist mit diesem Problem und prägt die posthum nach ihm benannte (Sapir-)Whorf Hypothese. Diese Hypothese sagt, dass eine Einzelsprache (z.B. Deutsch) Einfluss auf das Denken eines Individuums hat und impliziert damit, dass es nicht möglich ist, die Realität auf eine objektive Weise über Sprache zu beschreiben, da jede Sprechergemeinschaft eine eigene Vorstellung von Realität hat.
Eigentlich beginnt die Geschichte dieser Hypothese mit dem Ethnologe Franz Boas, welcher die Sprachen der Ureinwohner Amerikas, speziell der Hopi-Indianer, untersuchte und dabei eine Relation zwischen Grammatik und geographischer Lage herstellte. Er folgerte daraus, dass Sprache als Reflexion der Kultur zu verstehen sei.


Eine bekannte Hopi Künstlerin

Sapir, der Schüler von Boas war und seine Magisterarbeit über Herders Abhandlung über den Ursprung der Sprache schrieb, vertrat als Anthropologe und Linguist die These, dass die Sprache und das Denken, mehr oder weniger, in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander stehen und das Sprache das Denken determiniert – deshalb auch linguistischer Determinismus genannt. (Sapir 1929, 1958)


Edward Sapir

Whorf, eigentlich Chemiker, eignete sich sein linguistisches Wissen autodidaktisch an und war Schüler von Sapir. Er selbst kam nie in Kontakt mit den ursprünglichen Hopi-Indianern. Seine Idee war, dass die Realität anhand bestimmter Wertigkeiten durch linguistische Systeme in Konzepte eingeteilt wird. Dadurch, dass diese Wertigkeit durch Übereinkunft mit den Sprechern einer Sprechergemeinschaft getroffen wird, spiegelt sich in jeder Sprache ein einzigartiges Weltbild wieder, i.e. die physischen Zeichen werden unterschiedlich in den Sprechergemeinschaften bewertet und so entsteht ein anderes Bild der Realität – deshalb auch linguistischer Relativismus genannt. (Whorf 1940)


Benjamin Lee Whorf

Bekannt ist sein Vergleich der englischen Sprache mit der Sprache der Hopi-Indianer anhand der grammatischen Struktur. Die englische Sprache tendiert dabei eher die Realität als Objekt im Raum zu analysieren. Gegenwart und Zukunft werden als Lokalitäten gesehen und die Zeit als Weg zwischen ihnen, deshalb werden auch Phrasen wie drei Äpfel und drei Tage als grammatisch gleichwertig angesehen. Unsere Sprache besteht aus vielen Metaphern um die Abstrakten Begriffe der Zeit zu fassen, so kann man zum Beispiel Zeit genauso verschwenden wie sein Geld. Hopi, im Vergleich dazu, ist eher prozessorientiert. Was Whorf nicht berücksichtigt hat, da er selbst nie Feldarbeit leistete, war, dass es auch zwei Zeiten bei der Verbkonjugation in der Hopi-Sprache gibt – manifestiert und nicht-manifestiert. Manifestiert bezeichnet dabei alles konkret Wahrnehmbare, physisch Existente, in Gegenwart und Vergangenheit. Nicht-manifestiert bezeichnet alles Nicht-Physische und Nicht-Wahrnehmbare.

Dieser Idee liegt auch zu Grunde, dass die kulturellen Unterschiede von Sprechern deren Sprache einer gemeinsamen Sprachfamilie angehören, also zum Beispiel Deutsch und Niederländisch (Indogermanisch > West-Germanisch), nicht so gravierend sind wie der kulturelle Unterschied von Sprechern unterschiedlicher Sprachfamilien, also zum Beispiel Deutsch und Chinesisch (Sinotibetisch). Diese Schlussfolgerung ist natürlich kompletter Schwachsinn. Sprachen einer Sprachfamilie sind natürlich geographisch näher zusammen und damit ist auch der kulturelle Austausch eher vorhanden als zwischen Deutschland und China. Außerdem gibt es Sprachen wie Türkisch und Japanisch, die beide vielleicht der makro-altaischen Sprachfamilie angehören und deren Kultur wohl grundverschieden ist.

Ein weiteres Problem ist das der Übersetzung. Nach der starken These würde es nicht möglich sein die Inhalte eines Satzes in eine andere Sprache zu übersetzen. (Chandler 1995) Tatsächlich beklagt sich der Dichter Pablo Neruda darüber, dass seine Gedichte in der Übersetzung an etwas verlieren, obwohl der Sinn erhalten bleibt. Das ein Gedicht und ein Handelsvertrag anders in der Übersetzung zu bewerten sind, liegt aber wohl eher daran, dass Gedichte nach einzigartigen künstlerischen und einzelsprachspezifischen Gesichtspunkten geschrieben werden, wie zum Beispiel die Wortlänge und dem musikalischen Gehalt (Metrik). In der Tradition der Universalisten sagt Karl Popper, dass was auch immer in einer Sprache ausgedrückt wird in eine andere, mit relativem Aufwand, übersetzt werden kann. (Popper 1970) Ein konkretes Beispiel: Das Volk der Pintupi hat ein Wort für das Loch welches durch einen Goanna (besonderer australischer Waran) bei seinem Durchbruch an die Oberfläche nach seinem Winterschlaf hinterlassen wurde – oder in der Sprache der Pintupi katarta. Man kann also mit vielen Wörtern das gleiche Konzept beschreiben und so können auch Nuancen durch, mehr oder weniger aufwendiges, das Paraphrasieren übertragen werden. Ein Problem am Rande ist das der Synonyme. Da jedes Wort sozusagen einzigartig ist, gibt es nach der starken Auslegung der These keine absolut deckungsgleichen Synonyme, denn Form und Bedeutung sind untrennbar miteinander verknüpft. (Fish 1980)

Der starke Whofianismus ist kaum zu vertreten und findet auch kaum Anhänger. Er ist eher als extremster Punkt auf einer Skala zu sehen, der zur theoretischen Orientierung geschaffen wurde. Als Knockoutkriterium führt Pinker den Fall des Immigrantenkinds Idlefonso an, der völlig ohne Sprache und trotzdem intelligent mit mathematischen Fähigkeiten ausgestattet war. Er konnte später dann sogar Zeichensprache lernen. Wie hätte er dies ohne Denken leisten können? (Schaller 1991)
Der schwache Whorfianismus macht dagegen einige Abstriche und ist weit schwerer zu widerlegen. Anstatt zu behaupten, dass die Sprache das Denken determiniert, wird behauptet, dass die Sprache das Denken nur beeinflusst und damit die Wahrnehmung der Realität. Die Sprache wird auch nicht als losgelöstes System (Saussure: Langue) betrachtet sondern konkret in den sozio-kulturellen Kontext gesetzt (Saussure: Parole). Die Varietäten und die Sprachgewohnheiten der Sprecher werden zum beeinflussenden Element erklärt. So sagt Sapir, dass die Gesellschaften unterschiedliche Welten sind und nicht eine Welt mit unterschiedlichem Etikett. (Sapir 1929, 1958)
Auf dieser These beruht auch die Aussage, dass die Inuit eine Vielzahl von einzigartigen Wörtern für Schnee haben, was von Pullum widerlegt wurde und hier nicht aufgegriffen werden soll, da schon genug darüber geschrieben wurde. (Pullum 1994) Zu einiger Berühmtheit sind die Farbtests gelangt bei denen Ureinwohner unterschiedliche Farben kategorisieren sollten. Fokalfarben (z.B. rot) für die sie Wörter hatten, konnten von ihnen akkurater identifiziert werden. Nun bekamen sie aber 16 Wörter einer anderen Sprache beigebracht, um die Farben zu benennen - darunter 8 Wörter für Fokalfarben und 8 Wörter für Nebenfarben - und siehe da, wieder wurden die Fokalfarben akkurater mit den entsprechenden Fremdwörtern belegt. Pinker sagt dazu, dass wir die Farben so lernen wie wir sie auch wahrnehmen und nicht umgekehrt.


Das Farbspektrum

Was wir wissen ist, dass das Gehirn Assoziationen zwischen semantischen Konzepten und phonetischen Repräsentationen lagert, wobei die Anfangslaute wichtiger als die Endlaute sind. Beziehung zwischen unterschiedlichen semantischen Konzepten, die nur indirekten Bezug zueinander haben, werden ebenso gelagert und können durch phonetische Ähnlichkeit leichter abgerufen werden. Die Sprache unseres Denkens ist aber wahrscheinlich nicht die der natürlichen Sprache mit der wir uns auch verbal unterhalten. Man geht davon aus, dass es sich um eine metasprachlichen Vorform davon handelt, welche mit Konzepten arbeitet, das sogenannte Mentalesisch, was aber auch umstritten ist und weiteren Erklärungsbedarf bräuchte.


Die Phrenologie als Vorläufer der Theorie zur Modularität des Geistes

Greenberg, der lange Zeit die universellen Elemente in der Sprache gesucht und untersucht hat, bestätigt, dass der Anteil an fundamentalen Elementen in der menschlichen Verhaltensweise unter verschiedensten Sprachen größer ist als die idiosynkratischen Unterschieden, welche die Theorie des linguistischen Relativismus vorhersagt.

Ein weiteres Beispiel gegen linguistischen Relativismus ist das Argument von Fodor, dass es einfache Module für visuelle Wahrnehmung gibt, welche nicht von der Sprache beeinflusst werden können.


Die bekannte Müller-Lyer Illusion

Obwohl ich weiß, dass die Striche gleich lang sind, nehme ich sie nicht als gleich lang wahr. Die linguistische Information modifiziert also das entsprechende Wahrnehmungsmodul nicht und ergo hat die Sprache keinen Einfluss auf meine Wahrnehmung und so ist der linguistische Relativismus widerlegt. Allerdings wissen wir nicht wie Module für höhere neuronale Prozesse funktionieren und so können Aspekte des linguistischen Relativismus trotzdem wahr sein und die Einflussnahme der Sprache subtiler als bisher gedacht sein. (Fodor 1984) Es gilt deshalb sich folgende Frage zu stellen: Welche Aspekte der Sprache beeinflussen das Denken in systematischer Weise und wie stark ist dieser Einfluss?


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Wittgenstein, L. Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus Logico-Philosophicus). 1921.

Humboldt, W. von. Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und seinen Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts. 1836.

Sapir, E. Language: An introduction to the study of speech. 1929.

Whorf, B. L. Science and Linguistics. In: Technology Review 42 (6): 229-31, 247-8. 1940.

Chandler, D. The Act of Writing. 1995.

Popper, K. Normal Science and its Dangers. In: Criticism and the Growth of Knowledge. 1970

Fisher, S. Is There a Text in This Class? The Authority of Interpretative Communities. 1980

Pullum, G. K. The Great Eskimo Vocabulary Hoax and Other Irreverent Essays on the Study of Language. 1991.

Pinker, S. The Language Instinct. 1994

Wednesday, 28 May 2008

EEG: Code Switching & The Language You Think In

In 2004 a team of scientists under the lead of Alice Mado Proverbio, professor of cognitive electrophysiology at the Milano-Bicocca University in Milan, analysed the brain activity of fifteen subjects via EEG while they were shown sentences in their native and secondary language (L2). The subjects were interpreters for the European Union and fluent in English. They were shown sentences which "could be entirely in Italian or in English (unmixed); alternatively, the body of the sentence could be in English and the final word in Italian or vice versa (mixed)." (Proverbio 2004) The objective was to determine "[...] neural mechanisms subserving code switching [...]." (ibid.) They monitored an alteration in the brain waves as the participants where code switching.

This sounds quite interesting. Unfortunately, from a linguistic point of view, you can't compare two different languages this way I think. The slightly higher amplitude can rise due to the different morphology, syntax and phonology. Italian, as a Romance language, focus much more on grammatical morphemes than English.
Take the phonology: The IPA notes for Standard English (RP) 24 consonants, 21 vowels (Sauer 1990) compared to Standard Italian with 46 consonants (short and long consonants) and 27 vowels (Rogers & d'Arcangeli 2004).
Take the morphology: "Nouns in Italian have gender (masculine or feminine, but no neuter), and number (singular or plural). The gender and number is always shown by the leading article (definite or indefinite), and usually by the final vowel. [...] Adjectives, like nouns, have two genders and two numbers. Italian verb infinitives have one of three endings, either -are, -ere, or -ire. (Wikipedia) In English we have the third person pronouns, the Saxon genitive and only 8 possible inflection forms for verbs.
In contrast to the rudimentary English verb conjugation system the Italian language has a distinctive system derived from Latin. Furthermore, the lexicon from L1 may be stored deeper in the left hemisphere than the lexicon from L2.

Sentences like:

(A) Occorre impedire l’uso fraudolento delle carte di CREDITO.

in comparison to

(B) The fraudulent use of CREDIT cards must be prevented.

may not be equal and produce different results.

Earlier this year another paper of Proverbio (et al.) was published in Biological Psychology which is about the difference between native language, secondary and even tertiary language (L2, L3) usage and their representation in the brain. The brain activity was recognisably higher when they were shown words from their native language.

"Proverbio attributed the differences to the fact the brain absorbs the mother tongue at a time when it is also storing early visual, acoustic, emotional and other nonlinguistic knowledge." (MSNBC)

Unfortunately, this article is not available for my university and therefore out of reach. I doubt whether an EEG could so easily find the difference between first and second language. You can't easily compare an Italic language with a Germanic language that way; they were separated from their Indo-European roots 2000 years ago. At least you have to consider the difference between morphology, phonology, semantics and syntax. Semantics I havn't mentioned yet. Italian words have sometimes 'more or less meanings' attached they are not equal to e.g. German words.

Lingformant
MSNBC
Proverbio, M. Alice (et al.). Language switching mechanisms in simultaneous interpreters: an ERP study. In: Neuropsychologia 42 (12). 2004: 1636-1656.
Proverbio, M. Alice (et al.). Inferring native language from early bio-electrical activity. In: Biological Psychology. 2008.
Rogers & d'Arcangeli. Vowels of Italian. 2004.
Sauer, Walter. A Drillbook of English Phonetics. 1990.


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Note:
I changed this article due to Ms. Proverbio's correction in the comments. The article on MSNBC was misleading since they mixed the content of the 2004 paper with the paper from 2008.

Saturday, 19 April 2008

Sick of Sick

Ich möchte jedem der von Bastian Sicks populistischen Halbwahrheiten genervt ist das Buch des Berliner Sprachwissenschaftlers André Meinunger empfehlen, welcher mit fachlicher Kompetenz die Schwächen von Sicks Argumentation aufzeigt. Sick of Sick: Ein Streifzug durch die Sprache als Antwort auf den „Zwiebelfisch“ - hier die Kurzbeschreibung auf Amazon:

Bastian Sick hat es vorgemacht: Auf unterhaltsame Weise hat er ein Millionenpublikum für sprachliche Phänomene sensibilisiert. Entschlossen kämpft er seinen Kampf gegen den Verfall der deutschen Sprache und nimmt, wo immer er einen Verstoß gegen die Grammatik wittert, vermeintliche Fehler gnadenlos auseinander. Doch nicht alle seiner Beiträge halten einer kritischen Hinterfragung stand. In »Sick of Sick?« zeigt der Berliner Sprachwissenschaftler André Meinunger, in welchen Punkten der bekannte Grammatikpapst nicht ganz richtig liegt. Auf ähnlich unterhaltsame Weise wie im »Zwiebelfisch« wird im vorliegenden Buch deutlich, wie viel komplizierter oder manchmal auch wie viel einfacher die deutsche Sprache ist, als Bastian Sick es glauben machen will.

Wednesday, 16 April 2008

Langpocalypse

Wir wissen alle, dass die DEUTSCHE SPRACHE (TM) sich ihrem Ende zuneigt und sie unweigerlich von den Horden dummer Jugendlicher die nur noch an Sex und Drogen denken können vernichtet wird. Der Todesstoß steht kurz bevor und der Weg ihres Abstiegs ist gesäumt mit den Leichen von Sprachkritikern, Journalisten und anderes Pack, die mutig in die Bresche gesprungen sind, um ihr Leben für die DEUTSCHE SPRACHE (TM) zu geben.
Erstaunlicherweise, scheinen andere Sprachen das selbe Problem zu haben und so sind gleich zwei, nicht ganz ernste, englischsprachige Artikel (Epea und English, Jack) in kürzester Zeit erschienen. Dabei dachte ich doch, dass Sprachfaschismus eine DEUTSCHE TUGEND (TM) sei.
Es ist an der Zeit, mich auch zum Sprachfaschismus zu bekennen, denn ein seltsames Phänomen treibt sein Unwesen in unseren Straßen und frisst sich in die hohlen Köpfe unserer Kinder. Ich bin ja eigentlich ein gemäßigter Mensch, den nichts interessiert - so wie es sich für einen DEUTSCHEN BÜRGER (TM) gehört, aber bei einer Sache muss ich doch einmal den Mund aufmachen.
Ich fahre schon seit einigen Jahren relativ viel und häufig mit der Bahn und bekomme so manches Gespräch mit, was nicht immer ein Vorteil ist. Vor zirka zwei Jahren ist mir ein bestimmtes sprachliches Phänomen bewusst geworden. Viele Jugendliche, vor allem mit niedrigerem Bildungsstandard und damit höherem Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund (1. Wie ich diesen Euphemismus liebe; 2. Oh my god, racism incoming!) neigen dazu den, in der DEUTSCHEN SPRACHE (TM) so wunderbar einzigartigen [sic], stimmlosen palatalen Frikativ [ç] durch den stimmlosen postalveolaren Frikativ [ʃ] zu ersetzen, i. e. sie sagen anstatt dem normalen "ich" oder "mich" einfach "isch" bzw. "misch" - which give me the creeps. Ich weiß nicht warum, aber in meinen Ohren senkt das die Intelligenz eines Menschen um 95%. Dass sich vor allem die Hauptschüler, Realschüler und Berufsschüler mit deutschem Hintergrund der dominanten Fraktion von Mitschülern mit Migrationshintergrund anpassen müssen, ist für mich offensichtlich. Meist handelt es sich bei der dominanten Fraktion um Türken, welche Deutschtürk sprechen. Woher kommt nun dieses sprachliche Phänomen? Die türkische Sprache kennt keine palatalen Frikative, dafür aber sehr wohl die beiden postalveolaren Frikative [ʃ] und [ʒ], welche - durch Nähe zum Artikulationsort - einfach für [ç] substituiert werden. Ganz schrecklich dieser türkische Sprachimperialismus.

Saturday, 5 April 2008

Basisarbeit: Co-Evolution von Gehirn und Sprache

Hier ein bisschen Linguistik in klar verständlichen, wenn auch stark vereinfachten, Worten.1 Einige Linguisten gehen davon aus, dass der Mensch von Geburt an die Fähigkeit besitzt zu wissen, dass zum Beispiel der Satz

Tom wirft einen Ball.

im Gegensatz zu

*Der wirft Tom Ball.

korrekt ist. Da Kinder relativ schnell die möglichen Satzkonstruktionen einer Sprache lernen und diese von fehlerhaften differenzieren können, führte dies zur Annahme, dass das Gehirn, evolutionär-genetisch bedingt, fast alleine diese Entwicklung steuert. Berühmtester Vertreter dieser Annahme ist Noam Chomsky, Professor am MIT.

Nun gab es vom 11.03 bis zum 15.03.08 eine Konferenz über die Evolution der Sprache (evolang 2008), bei der die Gegner dieser so genannten Generativisten zur Sprache kamen. Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Buch von Terrence Deacon (The Symbolic Species) welches die Meinung vertritt, dass nicht nur das Gehirn und dessen zielgerichtete Evolution dazu beigetragen haben Sätzen eine innere Struktur zu geben, sondern, dass das Gehirn und auch die Sprache selbst in diesen (Strukturierungs-)Prozess eingebunden sind.2
Zu dieser Co-Evolutions These wurden jetzt zwei interessante Studien erstellt. Simon Kirby hat mit Hilfe eines Computers eine Sprache geschaffen deren Sätze keiner festen Struktur (Syntax3) folgen. Ebenso zufällig sind die Wortbedeutungen mit den einzelnen Wörtern und deren Aussprache assoziiert. Diese Sprache wurde dann von einer Person gelernt, welche sie wiederum anderen Personen beigebracht hat und so weiter. Dies soll die nachfolgenden Sprechergenerationen und deren Lernverhalten simulieren. Mit zunehmender Zahl der Generationen hat sich die Sprache - sowohl deren Aussprache, als auch die Struktur - soweit vereinfacht, durch Entwicklung von Regelmäßigkeiten, dass sie einfacher und effizienter weitergegeben werden konnte.4

Meine Kritik an dem Experiment: Ich nehme einmal an, dass die Versuchspersonen keine (P-)Zombies waren, sondern normale Menschen in einem gewissen Alter > 2 Jahren. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass es ein Problem gibt, da diese Menschen zumindest eine Sprache gelernt und damit eine gewisse Grundvorstellung von Satzstruktur haben. Interessant wäre es zu wissen, ob sie die Satzstruktur der neuen Sprache an die Satzstruktur ihrer Muttersprache angepasst haben.

Die zweite Studie wurde von David Gil vorgestellt und behandelt die Sprachlernfähigkeit von Sprechern der indonesischen Riau Sprache. Diese Sprache soll sehr simpel sein und nichtsdestotrotz sind die Sprecher in der Lage, weitaus komplexere Sprachen zu lernen. Daraus schlussfolgerte Gil, dass kein einfacher Zusammenhang zwischen Sprachkomplexität und Gehirnstruktur existiere, genauso wenig wie zwischen Sprachkomplexität und kultureller Komplexität.


Wichtig: Dieser Artikel beruht hauptsächlich auf einem Beitrag auf Babel's Dawn. Für eine Vertiefung und bessere sprachliche und fachliche Qualität empfehle ich den Originalartikel.

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Anmerkungen:

1 Eine Herausforderung, der ich mich stelle. Einem Linguisten könnte man sagen: "Die Sprache hat ein arbiträres Lautsystem. Die Semen der Lexeme sind arbiträr. Die Sprache hat keine Syntax."

2 Im Prinzip liegt man nicht verkehrt zu sagen, dass je älter die Sprache ist, desto komplizierter ist sie auch. Von der sumerischen Sprache, welche ungefähr 3200 Jahre vor Christus gesprochen wurde, nimmt man an, dass sie 10 unterschiedliche Kasus hatte. Deutlich mehr als im Neuhochdeutschen (Nominativ, Genitiv, Akkusativ, Dativ).

3 Sprich, sie haben keine erkennbares Muster wie zum Beispiel ein typischer Satz im Deutschen:

Tom (Subjekt) baut (Prädikat) ein Haus. (Objekt)

4 Ich meine mich zu erinnern, dass ich etwas ähnliches schon einmal im Zusammenhang mit Pidgin und Kreolisierung gehört habe, bin mir aber nicht sehr sicher. Auf unterschiedlichen Inseln im Pazifik kamen zwei Völker in Handelskontakt und schufen eine so genannte Lingua Franca (Handelssprache), mit der sie handeln konnten. Diese Handelssprache entwickelte sich dann im Laufe der Jahre zu einer eigenen Sprache, welche fast vollständig übernommen wurde. Es bildete sich sogar eine eigene Syntax.

Thursday, 3 April 2008

Ja, nein und vom Thema weg.

Das heutige Breakfast Experiment™ von Language Log beschäftigt sich mit einem Phänomen in der gesprochenen englischen Sprache, welches ich zuvor überhaupt nicht kannte - die Benutzung von affirmativen und negativen Antwortpartikeln im gleichen Satz. Hier das Beispiel:

A: Did you like Columbia?
B: Yeah no I loved it.


Das "Yeah no" übernimmt dabei 2 Hauptfunktionen (die anderen möglichen Funktionen lasse ich einmal unberücksichtigt und verweise auf den Artikel auf Language Log):

1) Beide Partikel sind individuell korrekt. Ja ich mag Columbia, aber nein, ich mag es nicht nur, sondern liebe es.

Die zweite Hauptfunktion lässt sich mit Hilfe dieses Beispiels erklären:

A: yeah so what do you buy what are you looking for you look for an automatic you know you look for something with all the
B: yes i can't drive a standard
A: you can't drive a standard
B: no i can't drive a standard
A: yeah no i used to when i was when i was uh younger
B: uh-huh
A: you know but i've it's been long gone out of my system now i could just put it in home and let it go there and take me there and that's it i don't like any of that


2) Der Beitrag zum Gespräch findet Anerkennung und wird mit dem Partikel "ja" ausgedrückt.


Dann habe ich mir überlegt, ob es im Deutschen etwas ähnliches gibt, aber bis auf Sachen wie:

A: Hast du heute schon geduscht?
B: Ja, nein ich hatte keine Zeit.

oder

A: Kann ich das Spielzeug haben?
B: Ja, nein das geht heute leider nicht.

ist mir nichts eingefallen. Bei den genannten Fällen würde ich 2 andere Hauptgründe nennen:

1) Man ist in Eile und will dies so bewusst oder unbewusst ausdrücken.

2) Man beginnt eine eigentlich negative Antwort auf eine Frage mit einem positiven Partikel, um das gegenüber zu besänftigen.

Letzteres habe ich übrigens oft bei Lehrern in meiner eigenen Schulzeit erlebt.


Ein sehr viel interessanterer Fall, der nicht unbedingt damit zu tun hat ist folgender:

A: Hm ich mag "Piraten der Karibik" mit Johnny Depp.
B: Nein, ich mag "Blackbeard" mehr.

Dieses Phänomen habe ich in letzter Zeit relativ häufig erlebt, vor allem bei jüngeren Sprechern.Der eine nennt seine Präferenz zu was auch immer und der andere erwidert, mit einem negativen Partikel beginnend, seine eigene Präferenz. Ich meine, der Partikel hat da doch garnichts zu suchen. Was soll das bedeuten? Irgendwie hört es sich für mich an wie "Nein du magst X nicht, ich weiß besser was du magst.", obwohl ich natürlich den Sinn verstehe. Trotzdem ein sehr interessantes Phänomen.

Tuesday, 18 March 2008

Economics: Source of Everything?

Culture is the product of economics. Economics in a broader sense than just sale/buy processes. We know that societies have fought for resources before and will fight until the last glimpse light in our solar system will have vanished. Nothing is better for science than war, as long as there are survivors and the cultural structure is not irreversible destroyed. Take for example the Internet which began as military ARPANET to save important data on decentralized nodes in case of a nuclear attack.
So what about language? Beside several other aspects - I just have to simplify at this time - language can be seen as a part of culture - some may even say that culture is language and vice versa. Written language was created to describe rituals, hierarchies and in particular for economic reasons. The perhaps first written language - Sumerian - was exclusively created to describe the economic and administrative processes of Uruk over 4200 years ago. Interestingly the first literary texts were published decades later. I think of it as a kind of economical metaphysical transactions of thoughts through creativity between an individual and its society - to simplify the matter.

Lost Language Lament

Alright, lets start with a post about the term paper I wrote this semester.
It's about the Scandinavian language Norn that was probably spoken between the 9th and 19th century in Scotland and its influence on modern Orcadian and Shetlandic speech. It gave me a really hard time because we don't have an idea how Norn might've looked like and the source material... sucks (although the language existed for almost a whole millenium)!
Oh, by the way, I got a 1.3 mark for this paper which is rather good on a six point scale (1 = lets make love all night long vs. 6 = no love for you, fag).

Deutscher Sprachfaschismus

Anscheinend bildet sich jeder Möchtegern-Schreiberling ein, er dürfe aufgrund seiner Position als Regionalreporter pseudo präskriptive Aussagen über die deutsche Sprache treffen und anderen vorschreiben was "Gutes Deutsch" ist und was nicht - wie diese entartete Glosse im Darmstädter Echo vom 11.09.2007 zeigt. Der Bremer Sprachblog liefert zum Glück eine ganz brauchbare, wenn auch nicht wissenschaftliche, Analyse und macht der vielseitigen Wortbildung und der daraus resultierende "Überlegenheit" des Deutschen Schluss.
Persönlich sind mir Leute lieber, die in ihrer Mundart reden und Fehler machen (Fehler macht jeder, davon lebt eine Sprache), aber dafür authentisch sind, als Leute die ihr Halbwissen - eher Ein-Hundertstel-Wissen - rausposaunen müssen, nur damit etwas geschrieben oder gesagt ist. Nur weil man Bastian Sick (übrigens Magister in Geschichtswissenschaften und Romanisik) gelesen hat, muss man sich nicht gleich als Arzt für die deutschen Sprache berufen fühlen.
Orthographie ist ein Diskussionsfeld für die breite Masse - Morphologie und Syntax für die Wissenschaftler. Man kann es nicht oft genug sagen und hoffen, dass zumindest offensive Ansagen länger im Hirn hängen bleiben: "Wenn man nichts weiß, einfach mal die Fresse halten [und sich informieren oder freundlich nachfragen]."

P.S. Wer subtile Anspielungen findet, darf sie behalten.
P.P.S. Der Duden oder ein anderes Unternehmen hat genauso wenig Recht oder Unrecht festzulegen was Deutsch ist oder was nicht.