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Tuesday, 8 July 2008

Am I wrong about Pinker's extended locative?

Pinker writes in his book Language of Thought about the locative rule:
If a verb can appear in a content-locative construction then it can also appear in a container-locative construction, and vice versa. (Pinker 2007: 35-6)
as in:

(1) [to spray] water on the roses.
(2) [to spray] the roses with water. (Pinker 2007: 35)

In contrast to:

(3) to fill the glass with water.
(4) *to fill water into the glass. (Pinker 2007: 50)

According to this exception, he alters the locative rule:
[...] by specifying the change of a container, it is compatible with a construction that is about state-change, and thereby allows us to say [(3)]. But because it says nothing about a cause or manner of motion of the contents, it isn't compatible with a construction that is all about motion, and thereby doesn't allow us to say [(4)].
His conclusion at the end of the chapter:
This uncovered a number of basic features of our thought processes: [...] that a frame for thinking about a change of location in real space can be metaphorically extended to conceptualize a change of state as motion in state-space; and that when the mind conceives of an entity as being somwhere or going somewhere, it tends to melt it down to a holistic blob.
As far as I understand him, he ascribes this property to the mind.

So, the first thing that struck me was that (3) and (4) sound correct for non-native speakers and I assume it would sound correct to many native speakers as well - depending on the region they're from. Actually you can say both sentences in German - which is, by the way, closely related to English:

(3(DE)) Das Glas mit Wasser füllen.
(4(DE)) Wasser in das Glas füllen.

So this must be specific for English, right? Since he ascribes this to the mind, this must mean that it only works for the English mind which, and here comes the logic conclusion, is different from the German mind. Hence English speakers have another cognition, i.e. they perceive the reality in a different way and therefore (3) is possible, while (4) is not? This would be an argument for linguistic determinism. I know this is nonsense.


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Pinker, S. Language of Thought. 2007.

Sunday, 15 June 2008

Kanake mit Migrationshintergrund

Nicht nur in unserer Esskultur passen wir uns dem großen Bruder jenseits vom großen Teich an; Nein, inzwischen haben wir sogar unser eigenes "Afro-Amerikaner-Phänomen". Deutscher mit Migrationshintergrund (DMM) liest man häufig, vor allem wenn es um Jugendliche und Strafrecht geht und genau dieser Kontext verleiht dem Begriff eine negative Konnotation. Es würde niemandem einfallen diesen Begriff auf die stille chinesische Biologiestudentin anzuwenden. Was man mit dieser pejorativ gewordenen Phrase eigentlich meint ist krimineller Kanake, Mulatte oder Ausländer, aber das darf man ja nicht so schreiben - wissen was damit gemeint ist tut jeder, macht das die Sache etwa besser?



Ja, jedenfalls denken so die Medienmacher Deutschlands. Neue Bezeichnung ist gleich neuer Inhalt und so geizt man nicht mit kreativen Neologismen. Doch Vorsicht, was den Schreiberlingen noch nicht verraten wurde ist, dass Euphemismen nicht losgelöst von ihren Vorgängern sind und irgendwann eingeholt werden von ihrer Vergangenheit. Dieses Prinzip wurde von Pinker als Euphemismus-Tretmühle bezeichnet und lässt sich gut anhand des DMM-Phänomens beschreiben. So kann der Begriff zwar anfangs eine gewisse Neutralität haben, wird aber - nicht zuletzt durch den Kontext negativ - nach Gresham's Law, und übernimmt die dominanten Konnotationen des Vorgängers.
Dieser Prozess ist keineswegs neu und wurde schon 1933 von Orwell beobachtet. Wenn wir zurück in der Geschichte gehen, sehen wir einen generellen Trend unliebsam Gewordenes neu zu benennen. So bezeichnet Kanake eigentlich ein Mensch vom Volk der Kanak in Neukaledonien. Über die hanseatische Schifffahrt kam der Begriff, welcher die Matrosen eigentlich als Honoration - also positiv besetzt - für ihre polynesischen Kameraden verwendeten, nach Deutschland und wurde durch die Lautähnlichkeit zu "Hannak" negativ. Hannak war ursprünglich die Bezeichnung für eine tschechische Volksgruppe und in Berlin als Synonym zu Bösartigkeit und Niederträchtigkeit in Gebrauch.
Soviel zum Thema "Aus der Geschichte lernen". Vielleicht kann man sich in 5 Jahren auf Prozentualdeutscher einigen und das Spiel geht von vorne los.

Saturday, 19 April 2008

Sick of Sick

Ich möchte jedem der von Bastian Sicks populistischen Halbwahrheiten genervt ist das Buch des Berliner Sprachwissenschaftlers André Meinunger empfehlen, welcher mit fachlicher Kompetenz die Schwächen von Sicks Argumentation aufzeigt. Sick of Sick: Ein Streifzug durch die Sprache als Antwort auf den „Zwiebelfisch“ - hier die Kurzbeschreibung auf Amazon:

Bastian Sick hat es vorgemacht: Auf unterhaltsame Weise hat er ein Millionenpublikum für sprachliche Phänomene sensibilisiert. Entschlossen kämpft er seinen Kampf gegen den Verfall der deutschen Sprache und nimmt, wo immer er einen Verstoß gegen die Grammatik wittert, vermeintliche Fehler gnadenlos auseinander. Doch nicht alle seiner Beiträge halten einer kritischen Hinterfragung stand. In »Sick of Sick?« zeigt der Berliner Sprachwissenschaftler André Meinunger, in welchen Punkten der bekannte Grammatikpapst nicht ganz richtig liegt. Auf ähnlich unterhaltsame Weise wie im »Zwiebelfisch« wird im vorliegenden Buch deutlich, wie viel komplizierter oder manchmal auch wie viel einfacher die deutsche Sprache ist, als Bastian Sick es glauben machen will.

Wednesday, 16 April 2008

Langpocalypse

Wir wissen alle, dass die DEUTSCHE SPRACHE (TM) sich ihrem Ende zuneigt und sie unweigerlich von den Horden dummer Jugendlicher die nur noch an Sex und Drogen denken können vernichtet wird. Der Todesstoß steht kurz bevor und der Weg ihres Abstiegs ist gesäumt mit den Leichen von Sprachkritikern, Journalisten und anderes Pack, die mutig in die Bresche gesprungen sind, um ihr Leben für die DEUTSCHE SPRACHE (TM) zu geben.
Erstaunlicherweise, scheinen andere Sprachen das selbe Problem zu haben und so sind gleich zwei, nicht ganz ernste, englischsprachige Artikel (Epea und English, Jack) in kürzester Zeit erschienen. Dabei dachte ich doch, dass Sprachfaschismus eine DEUTSCHE TUGEND (TM) sei.
Es ist an der Zeit, mich auch zum Sprachfaschismus zu bekennen, denn ein seltsames Phänomen treibt sein Unwesen in unseren Straßen und frisst sich in die hohlen Köpfe unserer Kinder. Ich bin ja eigentlich ein gemäßigter Mensch, den nichts interessiert - so wie es sich für einen DEUTSCHEN BÜRGER (TM) gehört, aber bei einer Sache muss ich doch einmal den Mund aufmachen.
Ich fahre schon seit einigen Jahren relativ viel und häufig mit der Bahn und bekomme so manches Gespräch mit, was nicht immer ein Vorteil ist. Vor zirka zwei Jahren ist mir ein bestimmtes sprachliches Phänomen bewusst geworden. Viele Jugendliche, vor allem mit niedrigerem Bildungsstandard und damit höherem Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund (1. Wie ich diesen Euphemismus liebe; 2. Oh my god, racism incoming!) neigen dazu den, in der DEUTSCHEN SPRACHE (TM) so wunderbar einzigartigen [sic], stimmlosen palatalen Frikativ [ç] durch den stimmlosen postalveolaren Frikativ [ʃ] zu ersetzen, i. e. sie sagen anstatt dem normalen "ich" oder "mich" einfach "isch" bzw. "misch" - which give me the creeps. Ich weiß nicht warum, aber in meinen Ohren senkt das die Intelligenz eines Menschen um 95%. Dass sich vor allem die Hauptschüler, Realschüler und Berufsschüler mit deutschem Hintergrund der dominanten Fraktion von Mitschülern mit Migrationshintergrund anpassen müssen, ist für mich offensichtlich. Meist handelt es sich bei der dominanten Fraktion um Türken, welche Deutschtürk sprechen. Woher kommt nun dieses sprachliche Phänomen? Die türkische Sprache kennt keine palatalen Frikative, dafür aber sehr wohl die beiden postalveolaren Frikative [ʃ] und [ʒ], welche - durch Nähe zum Artikulationsort - einfach für [ç] substituiert werden. Ganz schrecklich dieser türkische Sprachimperialismus.

Thursday, 3 April 2008

Ja, nein und vom Thema weg.

Das heutige Breakfast Experiment™ von Language Log beschäftigt sich mit einem Phänomen in der gesprochenen englischen Sprache, welches ich zuvor überhaupt nicht kannte - die Benutzung von affirmativen und negativen Antwortpartikeln im gleichen Satz. Hier das Beispiel:

A: Did you like Columbia?
B: Yeah no I loved it.


Das "Yeah no" übernimmt dabei 2 Hauptfunktionen (die anderen möglichen Funktionen lasse ich einmal unberücksichtigt und verweise auf den Artikel auf Language Log):

1) Beide Partikel sind individuell korrekt. Ja ich mag Columbia, aber nein, ich mag es nicht nur, sondern liebe es.

Die zweite Hauptfunktion lässt sich mit Hilfe dieses Beispiels erklären:

A: yeah so what do you buy what are you looking for you look for an automatic you know you look for something with all the
B: yes i can't drive a standard
A: you can't drive a standard
B: no i can't drive a standard
A: yeah no i used to when i was when i was uh younger
B: uh-huh
A: you know but i've it's been long gone out of my system now i could just put it in home and let it go there and take me there and that's it i don't like any of that


2) Der Beitrag zum Gespräch findet Anerkennung und wird mit dem Partikel "ja" ausgedrückt.


Dann habe ich mir überlegt, ob es im Deutschen etwas ähnliches gibt, aber bis auf Sachen wie:

A: Hast du heute schon geduscht?
B: Ja, nein ich hatte keine Zeit.

oder

A: Kann ich das Spielzeug haben?
B: Ja, nein das geht heute leider nicht.

ist mir nichts eingefallen. Bei den genannten Fällen würde ich 2 andere Hauptgründe nennen:

1) Man ist in Eile und will dies so bewusst oder unbewusst ausdrücken.

2) Man beginnt eine eigentlich negative Antwort auf eine Frage mit einem positiven Partikel, um das gegenüber zu besänftigen.

Letzteres habe ich übrigens oft bei Lehrern in meiner eigenen Schulzeit erlebt.


Ein sehr viel interessanterer Fall, der nicht unbedingt damit zu tun hat ist folgender:

A: Hm ich mag "Piraten der Karibik" mit Johnny Depp.
B: Nein, ich mag "Blackbeard" mehr.

Dieses Phänomen habe ich in letzter Zeit relativ häufig erlebt, vor allem bei jüngeren Sprechern.Der eine nennt seine Präferenz zu was auch immer und der andere erwidert, mit einem negativen Partikel beginnend, seine eigene Präferenz. Ich meine, der Partikel hat da doch garnichts zu suchen. Was soll das bedeuten? Irgendwie hört es sich für mich an wie "Nein du magst X nicht, ich weiß besser was du magst.", obwohl ich natürlich den Sinn verstehe. Trotzdem ein sehr interessantes Phänomen.

Tuesday, 18 March 2008

Deutscher Sprachfaschismus

Anscheinend bildet sich jeder Möchtegern-Schreiberling ein, er dürfe aufgrund seiner Position als Regionalreporter pseudo präskriptive Aussagen über die deutsche Sprache treffen und anderen vorschreiben was "Gutes Deutsch" ist und was nicht - wie diese entartete Glosse im Darmstädter Echo vom 11.09.2007 zeigt. Der Bremer Sprachblog liefert zum Glück eine ganz brauchbare, wenn auch nicht wissenschaftliche, Analyse und macht der vielseitigen Wortbildung und der daraus resultierende "Überlegenheit" des Deutschen Schluss.
Persönlich sind mir Leute lieber, die in ihrer Mundart reden und Fehler machen (Fehler macht jeder, davon lebt eine Sprache), aber dafür authentisch sind, als Leute die ihr Halbwissen - eher Ein-Hundertstel-Wissen - rausposaunen müssen, nur damit etwas geschrieben oder gesagt ist. Nur weil man Bastian Sick (übrigens Magister in Geschichtswissenschaften und Romanisik) gelesen hat, muss man sich nicht gleich als Arzt für die deutschen Sprache berufen fühlen.
Orthographie ist ein Diskussionsfeld für die breite Masse - Morphologie und Syntax für die Wissenschaftler. Man kann es nicht oft genug sagen und hoffen, dass zumindest offensive Ansagen länger im Hirn hängen bleiben: "Wenn man nichts weiß, einfach mal die Fresse halten [und sich informieren oder freundlich nachfragen]."

P.S. Wer subtile Anspielungen findet, darf sie behalten.
P.P.S. Der Duden oder ein anderes Unternehmen hat genauso wenig Recht oder Unrecht festzulegen was Deutsch ist oder was nicht.