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Saturday, 19 April 2008

Sick of Sick

Ich möchte jedem der von Bastian Sicks populistischen Halbwahrheiten genervt ist das Buch des Berliner Sprachwissenschaftlers André Meinunger empfehlen, welcher mit fachlicher Kompetenz die Schwächen von Sicks Argumentation aufzeigt. Sick of Sick: Ein Streifzug durch die Sprache als Antwort auf den „Zwiebelfisch“ - hier die Kurzbeschreibung auf Amazon:

Bastian Sick hat es vorgemacht: Auf unterhaltsame Weise hat er ein Millionenpublikum für sprachliche Phänomene sensibilisiert. Entschlossen kämpft er seinen Kampf gegen den Verfall der deutschen Sprache und nimmt, wo immer er einen Verstoß gegen die Grammatik wittert, vermeintliche Fehler gnadenlos auseinander. Doch nicht alle seiner Beiträge halten einer kritischen Hinterfragung stand. In »Sick of Sick?« zeigt der Berliner Sprachwissenschaftler André Meinunger, in welchen Punkten der bekannte Grammatikpapst nicht ganz richtig liegt. Auf ähnlich unterhaltsame Weise wie im »Zwiebelfisch« wird im vorliegenden Buch deutlich, wie viel komplizierter oder manchmal auch wie viel einfacher die deutsche Sprache ist, als Bastian Sick es glauben machen will.

Wednesday, 16 April 2008

Langpocalypse

Wir wissen alle, dass die DEUTSCHE SPRACHE (TM) sich ihrem Ende zuneigt und sie unweigerlich von den Horden dummer Jugendlicher die nur noch an Sex und Drogen denken können vernichtet wird. Der Todesstoß steht kurz bevor und der Weg ihres Abstiegs ist gesäumt mit den Leichen von Sprachkritikern, Journalisten und anderes Pack, die mutig in die Bresche gesprungen sind, um ihr Leben für die DEUTSCHE SPRACHE (TM) zu geben.
Erstaunlicherweise, scheinen andere Sprachen das selbe Problem zu haben und so sind gleich zwei, nicht ganz ernste, englischsprachige Artikel (Epea und English, Jack) in kürzester Zeit erschienen. Dabei dachte ich doch, dass Sprachfaschismus eine DEUTSCHE TUGEND (TM) sei.
Es ist an der Zeit, mich auch zum Sprachfaschismus zu bekennen, denn ein seltsames Phänomen treibt sein Unwesen in unseren Straßen und frisst sich in die hohlen Köpfe unserer Kinder. Ich bin ja eigentlich ein gemäßigter Mensch, den nichts interessiert - so wie es sich für einen DEUTSCHEN BÜRGER (TM) gehört, aber bei einer Sache muss ich doch einmal den Mund aufmachen.
Ich fahre schon seit einigen Jahren relativ viel und häufig mit der Bahn und bekomme so manches Gespräch mit, was nicht immer ein Vorteil ist. Vor zirka zwei Jahren ist mir ein bestimmtes sprachliches Phänomen bewusst geworden. Viele Jugendliche, vor allem mit niedrigerem Bildungsstandard und damit höherem Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund (1. Wie ich diesen Euphemismus liebe; 2. Oh my god, racism incoming!) neigen dazu den, in der DEUTSCHEN SPRACHE (TM) so wunderbar einzigartigen [sic], stimmlosen palatalen Frikativ [ç] durch den stimmlosen postalveolaren Frikativ [ʃ] zu ersetzen, i. e. sie sagen anstatt dem normalen "ich" oder "mich" einfach "isch" bzw. "misch" - which give me the creeps. Ich weiß nicht warum, aber in meinen Ohren senkt das die Intelligenz eines Menschen um 95%. Dass sich vor allem die Hauptschüler, Realschüler und Berufsschüler mit deutschem Hintergrund der dominanten Fraktion von Mitschülern mit Migrationshintergrund anpassen müssen, ist für mich offensichtlich. Meist handelt es sich bei der dominanten Fraktion um Türken, welche Deutschtürk sprechen. Woher kommt nun dieses sprachliche Phänomen? Die türkische Sprache kennt keine palatalen Frikative, dafür aber sehr wohl die beiden postalveolaren Frikative [ʃ] und [ʒ], welche - durch Nähe zum Artikulationsort - einfach für [ç] substituiert werden. Ganz schrecklich dieser türkische Sprachimperialismus.

Tuesday, 18 March 2008

Deutscher Sprachfaschismus

Anscheinend bildet sich jeder Möchtegern-Schreiberling ein, er dürfe aufgrund seiner Position als Regionalreporter pseudo präskriptive Aussagen über die deutsche Sprache treffen und anderen vorschreiben was "Gutes Deutsch" ist und was nicht - wie diese entartete Glosse im Darmstädter Echo vom 11.09.2007 zeigt. Der Bremer Sprachblog liefert zum Glück eine ganz brauchbare, wenn auch nicht wissenschaftliche, Analyse und macht der vielseitigen Wortbildung und der daraus resultierende "Überlegenheit" des Deutschen Schluss.
Persönlich sind mir Leute lieber, die in ihrer Mundart reden und Fehler machen (Fehler macht jeder, davon lebt eine Sprache), aber dafür authentisch sind, als Leute die ihr Halbwissen - eher Ein-Hundertstel-Wissen - rausposaunen müssen, nur damit etwas geschrieben oder gesagt ist. Nur weil man Bastian Sick (übrigens Magister in Geschichtswissenschaften und Romanisik) gelesen hat, muss man sich nicht gleich als Arzt für die deutschen Sprache berufen fühlen.
Orthographie ist ein Diskussionsfeld für die breite Masse - Morphologie und Syntax für die Wissenschaftler. Man kann es nicht oft genug sagen und hoffen, dass zumindest offensive Ansagen länger im Hirn hängen bleiben: "Wenn man nichts weiß, einfach mal die Fresse halten [und sich informieren oder freundlich nachfragen]."

P.S. Wer subtile Anspielungen findet, darf sie behalten.
P.P.S. Der Duden oder ein anderes Unternehmen hat genauso wenig Recht oder Unrecht festzulegen was Deutsch ist oder was nicht.